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Seit Anbeginn der Menschheit beschäftigen sich unzählige Kulturen mit dem „nicht Sichtbaren“ und gehen der Frage nach: “welchen Einfluss hat die sogenannte geistige Welt auf uns und unser Leben“. Ein Element, welches sich in einem Großteil alter Traditionen wiederfindet, ist das Räuchern. Doch wer denkt, dass Räucherungen nur zum Haltbarmachen von Lebensmitteln oder zum Vollziehen religiöser oder mystischer Praktiken dient, hat weit gefehlt. Doch was passiert genau beim Räuchern und woher stammt das Räuchern ursprünglich?

 

Unter Räuchern versteht man im Allgemeinen das Verbrennen von Kräutern, Harzen und Hölzern. Man nutzt den Rauch beispielsweise zur Reinigung von alten Energien in Räumen, zur Durchführung traditioneller Riten (auch in der Kirche wird geräuchert), oder einfach um einen angenehmen Raumduft zu erzeugen. Wir wissen heute jedoch, dass das Räuchern auch aus wissenschaftlicher Sicht einige gesundheitsfördernde bzw. krankheitslindernde Wirkungen bereithält. Selbst Hildegard von Bingen sowie Paracelsus kannten die Bedeutsamkeit von Räucherungen gerade bei bakteriellen und viralen Infekten. Generell kann gesagt werden, dass so gut wie jedem Räucherstoff eine besondere Wirkung zugesprochen wird. So wirkt das Verräuchern von beispielsweise Baldrian beruhigend auf den Geist und fördert einen tiefen Schlaf, Beifuß soll Negatives vertreiben und das Haus schützen und Weihrauch wirkt tatsächlich antibakteriell und fördert spirituelles Wachstum.

 

Das Räuchern hat seinen Ursprung irgendwo in der frühen Geschichte der Menschheit und geht vermutlich mit der Entdeckung des Feuers einher, das als Geschenk der Götter angesehen wurde. In fast allen Hochkulturen wurden Räucherungen mit getrockneten Pflanzen, Gräsern, Kräutern, Harzen, Früchten, Samen, Zweigspitzen oder Rinden vollzogen, häufig als Opfergabe an die Götter, zur Begleitung von Ritualen oder zur Vertreibung / Reinigung von negativen Einflüssen bzw. bösen Geistern (Dämonen), aber auch damals schon zur Behandlung von Krankheiten. Wahrscheinlich ist das älteste Räucherwerk der Menschheit der Wacholder (Zweige, Holz und Beeren), dessen Namen in der Region des Himalaya mit Räucherstoff gleichgesetzt wird.

 

Es ist anzunehmen, dass die frühen Menschen die Kunst des Räucherns bei ihren Zusammenkünften am Feuer erfanden, als sie Kräuter, Hölzer, Rinde, oder getrocknete Blätter zufällig ins Feuer warfen. Dabei erkannten sie die unterschiedliche Wirkung bestimmter Düfte auf das Gemüt – einige wohltuend beruhigend, andere eher belebend.

 

So fingen sie vermutlich an Pflanzen gezielt zu sammeln, zu verräuchern und deren Auswirkung auf sich selbst in Erfahrung zu bringen. Hieraus entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende ein reichhaltiger Wissensschatz in den verschiedenen Kulturen, wobei die Kenntnisse zu Pflanzen und deren Wirkung beim Verbrennen anfänglich über mündliche, später dann in schriftlicher Überlieferung an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wurden.

 

Die frühen Menschen verfügten über eine enge Verbundenheit zur Natur und kannten bereits Rituale und Zeremonien. Sie hielten häufig Räucherzeremonien auf Altären ab, um auf diese Weise Götter und Geister gnädig zu stimmen. Ebenso befragten die Menschen im Rauch Orakel, da sie glaubten, dass zusammen mit dem Rauch auch die Seele der jeweiligen Pflanze aufsteigt. So räucherten Menschen aus unterschiedlichen Gründen: Einerseits wegen des guten Duftes, andererseits aufgrund der pharmakologischen oder psychoaktiven Wirkung einiger Räucherstoffe. Darüber hinaus fand das Räucherwerk in vielen Kulturen besondere Verwendung im Totenkult: So galt der aufsteigende Rauch als Träger der Seele zum Jenseits/ Himmel.

 

Nachdem Räucherungen anfangs eher sakralen Zwecken dienten, wurden sie in späterer Zeit auch häufig zur „atmosphärischen Reinigung“ sowie zur Desinfektion von Häusern und Wohnräumen (bspw. auch bei Pest-Epidemien und anderen Seuchen) vorgenommen. Tatsächlich hat die moderne Wissenschaft die desinfizierende Wirkung von Weihrauch und anderen Harzen nachgewiesen. Ebenfalls benutzte man Räucherwerk zur Parfümierung von Kleidern und des Körpers, zur Stimulation und Stärkung der körperlichen Lust sowie als unterstützendes Hilfsmittel für Meditation und Gebet. Schließlich diente und dient das Räuchern auch zur Haltbarmachung von Nahrungsmitteln.

 

Eine Studie, die 2007 in der Fachzeitschrift Ethnopharmacology veröffentlicht wurde, untersuchte die einstündige Einwirkung von „medizinischem“ Rauch auf das bakterielle Leben der Umgebungsluft. Das Ergebnis war recht überraschend. Die Forscher stellten eine 95%ige Abnahme der Bakterien in der Luft fest. Die Luft blieb eine Stunde rein.

 

Seit einigen Jahren erfreut sich das Räuchern eines regelrechten „Comebacks“. Einerseits sehnen sich viele Menschen, aufgrund der Globalisierung und Digitalisierung, nach alten regionalen Traditionen und andererseits öffnen sich mehr und mehr Menschen den Themen Spiritualität und Esoterik. So werden Räucherungen heute oft in Verbindung mit Meditation und Yoga eingesetzt, aber auch zur Harmonisierung der Raumatmosphäre, um Körper, Geist und Seele in Ausgleich zu bringen oder um einfach den angenehmen Duft zu genießen. In den USA wird der Räucher-Trend „Smudging“ genannt und lehnt sich an die traditionellen Räucherungen der nordamerikanischen Ureinwohner.

 

Eines kann klar gesagt werden: Räuchern kann wirklich jeder!
Traditionell wird in einem Feuerfesten Gefäß etwas Sand (Räuchersand oder ganz einfacher Vogelsand aus dem Einzelhandel) gegeben auf den eine Räucherkohle (diese gibt es im Fachhandel oder bei uns 😉) gelegt und angezündet wird. Sobald die Kohle durchgeglüht ist und sich eine leichte Ascheschicht gebildet hat, wird begonnen das Räucherwerk nach und nach aufzulegen. Viele nutzen zur energetischen Raumreinigung eine schöne Feder, um den Rauch besser im Raum und vor Allem in den Ecken zu verteilen, dies ist jedoch Geschmackssache und ist jedem selbst überlassen. Ganz wichtig ist: Die Fenster nach 2-3 Stunden öffnen, damit alles Alte „gehen“ kann.

 

Wem der Aufwand mit Kohle und co. zu viel ist, hat die Möglichkeit mit fertigen Räucherstäbchen, Räucherkegeln oder sogenannten Räucherhaltern zu räuchern. Hier wird die Räuchermischung direkt auf ein Metallsieb, welches über einem brennenden Teelicht befestigt ist, gegeben. Auf diese Weise spart man sich das Zünden der Kohle. Eine Vielzahl an fertigen Räuchermischungen gibt es im Fachhandel zu erwerben.

 

Selbstverständlich kann man aber auch seine eigenen Mischungen mit selbst gesammelten Kräutern herstellen. Hierbei sollte man sich jedoch etwas mit unseren heimischen Wildkräutern und Pflanzen auskennen, da einige Stoffe auch toxisch wirken können.

 

Wenn du neugierig geworden bist und auch gerne einmal eine Räucherung machen möchtest, dann besuche uns doch auf dem Ostermarkt des Heimat- und Traditionsvereins Heddesheim am Sonntag, 22.03.2020 von 10:00 – 18:00 im Bürgerhaus Heddesheim, Unterdorfstraße 2. Wir beraten rund um’s Räuchern, und bieten ein Sortiment an Schalen, Räuchermischungen, Zubehör, Räucherstäbchen uvm. Natürlich kannst du auch jederzeit gerne eine Räucherung direkt bei uns buchen.

Räuchern - Tradition, Magie und Wissenschaft

Artikel vom 01.03.2020. Autor: Mario Münzer