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Nun denn, jetzt einmal Hand aufs Herz, wann warst du das letzte Mal ganz bewusst in der Natur unterwegs und hast dich dabei mit nichts anderem beschäftigt? Damit meine ich nicht, den sonntäglichen Spaziergang mit deinen Lieben, bei dem man die Erlebnisse der Woche austauscht, oder das tägliche Joggen oder Walken, um den Körper mit frischer Energie zu versorgen. Nein, ich meine damit ein vollkommen bewusstes, achtsames und vor allem „mit sich allein in der Natur sein“. Sicher erinnerst du dich noch, dass du so etwas schon als Kind gemacht hast, jedoch leider, durch den Fluss der Zeit und deine „gesellschaftlichen Verpflichtungen“ vergessen hast, wie gut es dir getan hat. Denn wer bewusst in die Natur geht, achtsam ist, alles wahrnimmt und der Natur die Chance gibt ihre Wirkung auf den Menschen zu entfalten, wird zu mehr Ruhe und innerem Ausgleich finden und kann sogar sein Immunsystem stärken und sich vor physischen wie auch psychischen Erkrankungen schützen.

 

Aber wie funktioniert sie nun, die Heilung durch die Natur und warum müssen wir dazu achtsam sein?

Der moderne Mensch hat leider seine Fähigkeit verloren, im gegenwärtigen Moment zu sein und die kleinen Dinge des Lebens zu erkennen und zu schätzen. Selbstverständlich gehen viele Menschen in die Natur, aber meist nur in Verbindung mit anderen Beschäftigungen. So wird Sport getrieben, ein Picknick gemacht oder mit den Lieben gemütlich flaniert, um über dies und das zu reden. Selbst bei jenen, die allein in der Natur unterwegs sind, liegt der Fokus nicht im Hier und Jetzt und dem was sie umgibt, sondern meist im Denken und Planen. So denken die meisten darüber nach, was noch zu erledigen ist, was sie in ihrem Leben momentan belastet, oder wohin der nächste Jahresurlaub gehen soll. Jedoch ist die Natur hierfür der falsche Ort. Denn die Natur hält quasi eine Art „Superwaffe“ zur Aktivierung der Selbstheilungskraft und zur Bekämpfung von diversen Erkrankungen bereit. Um diese „Superwaffe“ zu aktivieren müssen wir einfach nur den Moment nutzen fernab von Lärm, Menschen, Smartphone & co., um zu sehen, zu hören, zu riechen, zu fühlen und zu schmecken was die Natur für uns bereit hält.

 

Wissenschaftler fanden beispielsweiße heraus, dass die Farbe Grün eine positive, stimmungsaufhellende, beruhigende und heilsame Wirkung, nicht nur bei psychischen Erkrankungen hat. Sicher hast du auch schon einmal bemerkt, dass in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Heilzentren oft viele Bilder mit herrlichen „grünen“ Landschaften platziert sind. Einer Studie zufolge wurden Patienten, die nach einer OP aus dem Krankenhausfenster ins Grüne schauten, schneller gesund als die, die nur auf eine Hausmauer sahen. Die Patienten mit Baumblick benötigten auch weniger Schmerzmittel. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine große Studie des Umweltpsychologen Marc Berman 2015 an der Universität Chicago: Je weniger Bäume in einer Wohngegend stehen, desto höher das Risiko für typische Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Schwäche, Bluthochdruck oder Diabetes.

 

Ein weiterer Faktor, welcher zur Selbstheilung beitragen kann, sind die Geräusche, welche uns in der Natur umgeben. Da der Mensch mehr und mehr von Lärm umgeben ist, der auf „unnatürliche“ Weise entsteht und vom Menschen gemachten Ursachen beruht, ist es oft gar nicht mehr möglich den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, da der Körper durch die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin dauerhaft in einer Art „Fluchtzustand“ gehalten wird. Hier kann uns die Natur auf einfachste Weise unterstützen. Durch die natürlichen Geräusche wie das Zwitschern der Vögel, dem Wind der durch die Blätter der Bäume raschelt, dem Summen und Zirpen der Insekten, usw. kehrt der Geist in seinen ruhigen und ursprünglichen Zustand zurück und unterbricht die ständige Ausschüttung dieser beiden sogenannten Stresshormone.

 

Dass frische Luft gesund ist, ist gemeinhin bekannt. Aber was ist denn nun so Besonderes an der frischen Naturluft? Wer aufmerksam durch Wiesen, Wald und Flur wandert wird unweigerlich die unterschiedlichsten Gerüche wahrnehmen können. Herrliche Düfte von Blumen und Blüten, aber auch der ganz eigene Geruch des Waldes, wirken hier wahre Wunder auf Körper und Geist. Bei einem Waldspaziergang atmen wir Stoffe ein, mit denen Pflanzen untereinander Botschaften austauschen - sogenannte Terpene.  Diese stärken unser Immunsystem. Für eine Studie der Nippon Medical School in Tokio quartierten die Forscher zwölf Testpersonen in einem Hotel ein. Bei der einen Hälfte wurde die Atemluft in der Nacht mit einem Mix aus Waldluft angereichert.  Am nächsten Tag wiesen die Blutproben genau dieser Teilnehmer eine deutlich höhere Zahl und Aktivität der körpereigenen Killerzellen auf. Für Studienleiter Professor Qing Li eine bahnbrechende Erkenntnis. "Mein Experiment hat gezeigt, dass die Terpene Immunzellen wie die natürlichen Killerzellen stimulieren, und das verstärkt die Wirkung der Immunfunktion", sagt er. Der Pionier der Waldmedizin hofft, dass sich mit der Kraft der Bäume vielleicht sogar Krebserkrankungen verhindern lassen. "Vielleicht können Ärzte in Zukunft den Wald als Medizin verschreiben", sagt er.

 

In Deutschland beschäftigt sich der Förster und Bestseller-Autor Peter Wohlleben mit dem Wald und seiner Wirkung auf die Menschen. Für ihn sind Bäume mehr als Lieferanten von Holz und Sauerstoff: "In Wirklichkeit sind Bäume ganz faszinierende Lebewesen, mit einem ganz reichen Sozialleben. Da findet jede Menge statt, was wir nicht so einfach sehen können, weil Bäume so langsam sind." Wohlleben zufolge haben Bäume ein Gedächtnis und Gefühle. Sie leben im Familienverbund, schließen Freundschaften und tauschen Botschaften miteinander aus, zum Beispiel über Düfte, die die Terpene enthalten. Zudem könnten Bäume über die Wurzeln elektrische Informationen senden und sich damit sogar gegenseitig vor Gefahren wie schädlichen Käfern warnen. So ist es für den Menschen auch von großem Vorteil mit dieser Kenntnis hinaus in die Natur zu gehen und sich auf diese ganz und gar einzulassen, zumal der Mensch letzten Endes durch die Natur entstand, immer eng verbunden mit dieser lebte und sich erst durch die Industrialisierung Stück für Stück von ihr entfernte.

 

Viele kennen das typische Bild von Menschen, die im Wald stehen und Bäume umarmen. Sicher schmunzelst du jetzt, wenn dir dieses Bild vor deinem inneren Auge auftaucht, aber hast du es schon einmal selbst ausprobiert und weißt über die Wirkung dieser, sehr seltsam anmutenden Praxis? Dann wird es aber Zeit es einmal selbst zu testen. Wie anfangs beschrieben, geht das nicht, wenn du mit Familie oder Freunden unterwegs bist. Aber wenn du ganz für dich, achtsam und bewusst im gegenwärtigen Moment, dich einmal mit dem Rücken an einen großen und starken Baum lehnst, deine Augen schließt und mit deinem „Herzen“ lauschst, wirst du die Energie des Baumes wahrnehmen können. Du kannst beispielsweise auch einfach mal ein Stück barfuß auf dem Waldboden gehen. Schließe auch hier nach Möglichkeit die Augen und nimm jeden Schritt, jedes Aufsetzen deines Fußes auf dem Waldboden ganz bewusst wahr. Du wirst feststellen, dass dich auch diese Technik ungemein ausgleichen kann und beruhigt.

 

Abschließend kann man sagen, dass uns, trotz unserer fortschrittlichen westlichen Welt, andere Länder im Punkto „Heilung durch die Natur“ weit voraus sind. In Japan sind z.B. Waldbesuche sogar seit Jahren Teil der Gesundheitsvorsorge. Der Begriff "Shinrin-yoku" bedeutet übersetzt "Waldbaden" und ist eine japanische Tradition. 2012 wurde an japanischen Universitäten sogar ein eigener Forschungszweig für "Waldmedizin" eingerichtet.

 

Auch Peter Wohlleben ist sicher, dass der Wald wegen seines besonderen Klimas eine Art Medizin ist. "Der Blutdruck senkt sich, man wird entspannter, vor allem wenn es ein intakter Wald ist."
Sein Appell: Die Menschen sollten den Wald besser kennenlernen und schützen. Schließlich brauchten sie ihn dringend – gerade auch für ihre Gesundheit!

 

Ich hoffe ich konnte auch dir das Thema „Naturheilen“ etwas näherbringen und wünsche dir viel Erfolg beim Ausprobieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

Wie uns die Natur heilen kann

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Hinweis: Die beschriebenen Praktiken und Anwendungen können den Heilungsprozess unterstützen und die Selbstheilung aktivieren, jedoch ersetzen sie nicht den Besuch beim Arzt oder Heilpraktiker. Bitte immer erst bei deinem Arzt oder Heilpraktiker vorsprechen.